Projektziele & Projektergebnis
Erstellung projekt in den Bereichen „Produkte“ mit dem Ziel der Erhöhung/Steigerung/ Optimierung der Nachhaltigkeit, der Produkt- / Servicequalität und der Strategieentwicklung.
Die aktuelle EU-Taxonomie bildet Vorteile kreislauffähiger Produktgestaltung aktuell nicht ab. Nur Lebensdaueranalysen nach ISO 14040/44 zeigen belastbar Nachhaltigkeitsvorteile und schaffen Transparenz.
Gesamtprojekt
Top Erkenntnisse aus dem Projekt
Ausgangslage
Zentrale Fragestellungen im Projekt
- Wie lässt sich die Kreislauffähigkeit eines Produkts transparent und wissenschaftlich belastbar bewerten?
- Welche methodischen Ansätze eignen sich zur Quantifizierung der ökologischen Vorteile durch verlängerte Produktlebensdauer und Recyclingfähigkeit?
- Wie kann die Kommunikation solcher Produktvorteile unter Berücksichtigung der Green Claims Directive rechtssicher gestaltet werden?
Projektdetails
Ausgangslage:
Die EU-Taxonomie verfolgt das Ziel, nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten zu fördern, vernachlässigt bislang jedoch systematisch die Potenziale kreislauforientierter Produktgestaltung, insbesondere bei langlebigen Industriegütern. Diese Lücke ist vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen an Ressourceneffizienz und Klimaneutralität kritisch. Produkte, die durch modulare Bauweise, Reparaturfreundlichkeit und Recyclingfähigkeit ökologische Vorteile bieten, werden nicht adäquat bewertet. Für die exemplarisch untersuchte Linearführung der Firma HUETHERTECH, die durch eine verlängerte Nutzungsdauer und eine demontagefreundliche Konstruktion überzeugt, existiert kein geeignetes Bewertungs- und Kommunikationsinstrument im Rahmen bestehender regulatorischer Vorgaben. Ziel war daher die Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten Bewertungsansatzes, der ökologische Vorteile nachvollziehbar macht und regulatorisch anschlussfähig ist, um Greenwashing zu vermeiden und ressourcenschonende Innovationen gezielt zu fördern.
Projektziele:
Das übergeordnete Projektziel bestand in der Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten, praxisnahen Bewertungsansatzes zur Erfassung der ökologischen Vorteile kreislauforientierter Produktgestaltung. Am Beispiel einer Linearführung der Firma HUETHERTECH sollten Kriterien identifiziert und operationalisiert werden, die eine transparente, vergleichbare und quantifizierbare Bewertung von Designmerkmalen wie Modularität, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit ermöglichen. Aufbauend auf diesen Kriterien wurde ein methodischer Vorschlag zur Berechnung des Product Carbon Footprints unter Berücksichtigung der verlängerten Produktlebensdauer und der Materialeffizienz formuliert. Gleichzeitig wurde ein Ansatz zur strategischen Nachhaltigkeitskommunikation entwickelt, der sich an der Green Claims Directive orientiert und Aussagen zu Umweltvorteilen auf belastbare Nachweise stützt. Ziel war eine anschlussfähige Methodik zur Integration in regulatorische Kontexte wie die EU-Taxonomie-Verordnung.
Vorgehensweise und Umsetzung:
Im Projekt wurde ein mehrstufiger methodischer Ansatz verfolgt, um eine wissenschaftlich fundierte Bewertungs- und Kommunikationsgrundlage für kreislaufwirtschaftlich optimierte Produktdesigns zu schaffen. Ausgangspunkt war die Analyse der regulatorischen Rahmenbedingungen, insbesondere der EU-Taxonomie-Verordnung, der Green Claims Directive und der Empowering Consumers Directive. Aufbauend darauf wurden bestehende Umweltzeichen und Zertifizierungen wie der „Blaue Engel“ und „Cradle to Cradle Certified“ hinsichtlich ihrer Eignung zur Abbildung der Nachhaltigkeitsvorteile industrieller Linearführungen geprüft. Parallel dazu erfolgte eine Produktanalyse einer innovativen Linearführung der HUETHERTECH GmbH, die sich durch modulare Bauweise, sortenreine Trennbarkeit, verlängerte Nutzungsdauer und recyclinggerechtes Design auszeichnet.
Zur Validierung und Kontextualisierung der Erkenntnisse wurden drei Expert:inneninterviews mit Fachleuten aus den Bereichen Circular Design, Cradle to Cradle und industrielle Kreislaufwirtschaft durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten, dass bestehende Zertifizierungssysteme für das untersuchte Industrieprodukt derzeit unzureichend sind. Stattdessen wurde die Kommunikation über eigene, belastbare Nachweise empfohlen, insbesondere über eine vergleichende Lebenszyklusanalyse (LCA) gemäß ISO 14040/44. In dieser Analyse sollen ökologische Effekte durch Designentscheidungen (z. B. Drehbarkeit von Präzisionswellen zur Nutzungsverlängerung) in Relation zu konventionellen Produkten quantifiziert werden.
Darüber hinaus wurde ein strategischer Kommunikationsansatz erarbeitet, der auf die Spezifika industrieller B2B-Zielgruppen zugeschnitten ist. Die Kommunikation soll explizit die funktionellen und ökologischen Vorteile verknüpfen, etwa durch die Darstellung reduzierter Stillstandszeiten und geringeren Materialeinsatzes. Empfohlen wurde ein modularer Aufbau der Argumentation, die sowohl technisch-funktionale als auch umweltbezogene Kennzahlen enthält, um eine anschlussfähige und rechtssichere Kommunikation zu gewährleisten.
Ergebnis:
Im Ergebnis zeigte sich, dass die derzeitige Ausgestaltung der EU-Taxonomie-Verordnung ungeeignet ist, um die Wettbewerbsvorteile kreislauffähiger Produktgestaltung adäquat abzubilden. Weder bestehende regulatorische Rahmenbedingungen noch gängige Umweltzertifikate können die ökologischen Potenziale eines durchdachten Produktdesigns – wie verlängerte Lebensdauer, Modularität und Recyclingfähigkeit – in ausreichendem Maße erfassen. Einzig die Durchführung einer vergleichenden Lebenszyklusanalyse (LCA) nach ISO 14040/44 ermöglicht eine belastbare und differenzierte Darstellung der Nachhaltigkeitsvorteile im Vergleich zu konventionellen Produkten. Damit wird deutlich, dass faktenbasierte Ökobilanzen eine zentrale Grundlage für eine transparente und glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation darstellen und zugleich eine fundierte Entscheidungsbasis für die regulatorische Weiterentwicklung bilden sollten.




